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Morbus Parkinson - Einführung für Patienten

 

 

Endredaktion: G.U. Höglinger, W.H. Oertel

- Basisinformation
- Häufigkeit
- Bewegungsstörung
- Gehirn
- Ursachen
- Typische Zeichen
- Verlauf
- Diagnose
 

 

 

 

Basisinformation

 

 

Die Parkinson Krankheit ist nach dem englischen Arzt Dr. James Parkinson benannt, der die Erkrankung 1817 erstmals beschrieben hat.

Die Parkinson Krankheit ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Sie betrifft bestimmte Gebiete des Gehirns (die Basalganglien), die an der Kontrolle der willkürlichen und unwillkürlichen Bewegung beteiligt sind.

Die langsame Degeneration von Zellen der Substantia nigra (Schwarze Substanz) verursacht einen Mangel des Botenstoffes Dopamin im Gehirn. Dieser Mangel führt zu den klassischen Symptomen der Krankheit.

Im Deutschen wird die Parkinson Krankheit auch als Schüttellähmung bezeichnet. Sie ist v.a. gekennzeichnet durch

  1. Bewegungsarmut
  2. Zittern in Ruhe
  3. Muskelsteifheit
  4. Gang- oder Gleichgewichtsstörungen.

Die folgenden Texte sollen Patienten, Angehörigen und Interessierten helfen, sich mit der Krankheit vertraut zu machen, um sie zu verstehen und mit ihr umgehen zu lernen.
 

 

 

 

Wie häufig ist die Parkinson-Krankheit?

 

 

Die Parkinson Krankheit ist vorwiegend eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Etwa 10% der Patienten sind bei Diagnosestellung jünger als 40 Jahre. In der Regel fällt die Erkrankung zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu.

In der Gesamtbevölkerung sind zwischen 100 und 200 pro 100 000 Personen betroffen. Bei Personen älter als 60 ist etwa einer von 100 erkrankt.

Das männliche Geschlecht ist etwas häufiger betroffen.
 

 

 

 

Parkinson-Krankheit und andere Bewegungsstörungen

 

 

Es gibt eine Reihe von Krankheiten, die der Parkinson Krankheit ähnlich sind. Diese Parkinson-Syndrome sind durch die Hauptsymptome gekennzeichnet:

  • · Bewegungsarmut (Akinese)
  • · Muskelsteife (Rigor)
  • · Zittern in Ruhe (Ruhetremor)
  • · Haltungs-Instabilität (Posturale Instabilität)

Diese "Kardinalsymptome" können mit jeweils unterschiedlicher Ausprägung vorherrschend sein.

Parkinson Syndrome werden folgendermaßen untergliedert:

1. Die Mehrzahl der Parkinson Syndrome tritt ohne erkennbare Ursache (idiopathisch) auf. Man spricht dann von der Parkinson Krankheit (Morbus Parkinson).

2. 20-30% der Parkinson Syndrome sind Ausdruck einer anderen "neurodegenerativen" Erkrankung.

    Multisystem-Atrophie (MSA)

    Die Multisystem Atrophie ist ein komplexes Erkrankungsbild mit (1.) Symptomen eines Parkinson Syndroms, (2.) Störungen des autonomen Nervensystems und (3.) Störungen des Kleinhirns in unterschiedlichen Ausprägungen.
    Im Unterschied zur Parkinson Krankheit sind die Symptome relativ symmetrisch, schreiten rascher fort und verbessern sich nicht oder nur vorübergehend unter Therapie mit L-Dopa. Weiterhin unterscheidet das Vorhandensein von Kleinhirnzeichen und frühzeitigen autonomen Störungen sowie das Fehlen des typischen Parkinson-Zitterns die Multi-System Atrophie von der Parkinson Krankheit.

    Je nach den im Vordergrund stehenden Symptomen wird die Multi System Atrophie weiter unterteilt in zwei Krankheitsbilder:

      C-Typ: Zerebellärer Typ
      Diese Erkrankung wurde früher als Olivopontozerebelläre Degeneration bezeichnet. Sie ist eine seltene Erkrankung. Die Patienten haben Symptome, die aus Störungen des Kleinhirns (Zerebellum), der Pons und der Oliven (Teile des Hirnstamms) resultieren. Im Vordergrund stehen Störungen des Gleichgewichts und des Gangs, die als Ataxie bezeichnet werden. Die Patienten zittern bei Einnahme einer bestimmten Position oder bei Durchführung einer Bewegung, seltener aber in Ruhe. In etwa der Hälfte der Patienten findet sich ein Parkinson Syndrom. Die Krankheit bessert sich nur selten unter Therapie mit L-Dopa.

      P-Typ: Parkinson Typ
      Die Erkrankung wurde früher als Nigrostriatale Degeneration bezeichnet. Sie ist eine seltene Erkrankung, die durch Muskelsteifheit (Rigor) sowie Gleichgewichts- und Gangstörungen gekennzeichnet ist. Durch die neurologische Untersuchung kann sie nicht von der Parkinson Krankheit unterschieden werden. Üblicherweise haben diese Patienten aber kein Zittern (Tremor) und verbessern sich nicht oder nur wenig unter der Therapie mit L-Dopa. Sicher kann diese Krankheit nur nach dem Tod durch Untersuchung des Gehirns von der Parkinson Krankheit unterschieden werden.

    Progressive Supranukleäre Blickparese (PSP)

    Die Progressive Supranukleäre Blickparese ist eine seltene Erkrankung, bei der die betroffenen Patienten ein Parkinson Syndrom mit frühzeitiger Fallneigung, Sprech- und Schluckstörungen sowie geistigen Abbau entwickeln. Meist können die Patienten die Augen willkürlich nicht mehr nach unten bewegt werden. Die Störungen im Gehirn der Patienten erfassen weitreichendere Areale als bei der Parkinson Krankheit. Die Patienten verbessern sich nicht unter Therapie mit L-Dopa.

    Kortikobasale Degeneration (CBD)

3. Bei einem geringen Teil der Parkinson Syndrome ist die Ursache bekannt. Diese werden als symptomatische Parkinson Syndrome bezeichnet. Eine Auswahl ist im Folgenden aufgeführt.

    Medikamentös verursachtes Parkinson Syndrom
    Vaskuläres Parkinson Syndrom
    Normaldruck Hydrozephalus
    Wilson Krankheit
    Gehirntumor
    Post-enzephalitisches Parkinson Syndrom
    Giftstoffe (Mangan, Kohlenmonoxid, MPTP)
    Nach wiederholter mechanischer Gewalteinwirkung (z.B. Boxer)

    Medikamentös verursachtes Parkinson Syndrom

    Manche Medikamente beeinflussen direkt oder indirekt den Stoffwechsel und die Wirkung von Dopamin im Gehirn. Ihre längerfristige Anwendung kann unter Umständen ein Parkinson Syndrom verursachen.

    Zu diesen Medikamenten zählen:

  • Neuroleptika (z.B. Haloperidol), die zur Behandlung von Halluzinationen und Verwirrtheit eingesetzt werden
  • Metoclopramid (Domperidon verursacht nicht, oder extrem selten, ein Parkinsonsyndrom), ein häufig verordnetes Medikament gegen Brechreiz
  • bestimmte Mittel gegen Bluthochdruck (z.B. Reserpin)
  • Ca-Antagonisten (Flunarizin, Cinnarizin)
  • Valproat, welches gegen Epilepsie eingesetzt wird
  • Lithium zur Behandlung von affektiven Störungen.
  • Die medikamentös-induzierten Parkinson Syndrome bilden sich nach Absetzen der entsprechenden Medikamente in der Regel wieder zurück.

    Vaskuläres Parkinson Syndrom

    Die Subkortikale Arteriosklerotische Enzephalopathie ist eine häufige Erkrankung, die v.a. bei älteren Patienten mit einer Erkrankung der Blutgefäße des Gehirns (Arteriosklerose) beobachtet wird. Hoher Blutdruck, ausgeprägte Herzrhythmusstörungen und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) sind die wichtigsten Risikofaktoren. Die Patienten erleiden eine Reihe kleiner Schlaganfälle in den tiefen Gehirnarealen, den Basalganglien, die auch bei der Parkinson Krankheit betroffen sind. Viele dieser Schlaganfälle sind so klein, dass der Patient sie selbst nicht bemerkt. Im Laufe der Zeit kann sich eine Gang- und Standstörung entwickeln, die der Parkinson Krankheit ähnlich ist. Zittern in Ruhe hingegen ist unüblich. Patienten mit vaskulärem Parkinson Syndrom verbessern sich fast nie unter Therapie mit L-Dopa, neigen aber zur Entwicklung von Nebenwirkungen wie Wahnwahrnehungen (Halluzinationen) und Verwirrtheit.

    Normaldruck Hydrozephalus

    Diese seltene Erkrankung ist gekennzeichnet durch geistigen Abbau, Harninkontinenz und Gangstörungen, die bei genauer Betrachtung klar von der Parkinson Krankheit unterschieden werden kann. Der Patient geht breitbeinig. Die Symptomatik wird verursacht durch eine Vergrößerung der Flüssigkeitsräume im Gehirn (mit Nervenwasser gefüllte Ventrikel), die auf das umgebende Gehirngewebe drücken. Die Ursache des Normaldruck Hydrozephalus liegt in einem Mißverhältnis zwischen Bildung und Resorption des Nervenwassers. Die Symptomatik kann sich in Einzelfällen nach Anlage eines sogenannten Shunts verbessern. Dabei wird ein Röhrchen in den Ventrikel eingelegt, der überschüssiges Nervenwasser ableitet.

    Wilsonsche Krankkeit

    Die Wilson‘sche Krankheit ist eine seltene, erbliche Krankheit, die meist vor dem 30. Lebensjahr auftritt. Bei der Wilson Krankheit ist der Kupfer-Stoffwechsel gestört. Das Spurenelement Kupfer ist in geringen Mengen im Körper vorhanden und nötig. Bei der Wilson Krankheit kommt es zu einer übermäßigen Anhäufung von Kupfer in der Leber und im Gehirn, was diese Organe schädigt.

    Klinisch kommt es zu einer Hepatitis (Leber-Entzündung) und/oder Persönlichkeitsveränderungen und neurologischen Störungen, die einer Parkinson Krankheit ähnlich sein können. Kupferablagerungen in der Hornhaut des Auges sind als gold-brauner Ring zu erkennen (Kayser-Fleischer Kornealring). Die frühe Erkennung dieser Erkrankung ist wichtig, da eine Behandlung weitere Schädigung von Leber und Gehirn verhindern kann.

    Gehirntumor

    Gehirntumoren, die einen lokalen Druck auf bestimmte Gehirnareale ausüben, können eine Parkinson Krankheit vortäuschen. Eine kernspintomographische oder computertomographische Untersuchung des Gehirns kann diese Ursache nachweisen.

    Post-enzephalitisches Parkinson Syndrom

    In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gab es eine weltweite Epidemie einer bestimmten Form der Gehirnentzündung (von Economo Enzephalitis). Viele der erkrankten Patienten entwickelten nach Abklingen der Gehirnentzündung Symptome, die der Parkinson Krankheit ähnlich sind. Heute wird diese post-enzephalitische Form des Parkinson Syndroms kaum mehr beobachtet und ist v.a. von historischem Interesse.

    Ferner gibt es eine Reihe anderer Bewegungsstörungen, die nicht als Parkinson Syndrome bezeichnet werden. Die folgenden Erkrankungen werden gelegentlich mit der Parkinson Krankheit verwechselt.

    Essentieller Tremor

    Der Essentielle Tremor (Essentielles Zittern) ist eine häufige Erkrankung, die meist bei Älteren auftritt und langsam über Jahre fortschreitet. Häufig finden sich auch betroffene Familienangehörige. Das Kind eines Betroffenen hat ein Risiko von maximal 50%, die Erkrankung zu erben, der Schweregrad kann allerdings von Generation zu Generation deutlich variieren.

    Das Essentielle Zittern kann den Kopf, die Stimme, oder den Arm betreffen, selten aber die Beine. Im Unterschied zum typischen asymmetrischen Zittern in Ruhe des Parkinson Patienten betrifft der Essentielle Tremor beide Hände in gleichem Maß und tritt auf, wenn die Hände vor dem Patienten ausgestreckt sind oder wenn sie bewegt werden. Streß kann das Zittern verstärken.

    Der Essentielle Tremor kann zu Schwierigkeiten bei den Verrichtungen des täglichen Lebens (Schreiben, Trinken, Essen, usw.) und zu sozialer Stigmatisierung führen.

    Die Medikamente Propranolol oder Primidon sind nach ärztlicher Vorschrift in vielen Fällen hilfreich.

    Dystonie

    Dystonie bezeichnet eine unwillkürlich gesteigerte Muskelanspannung, die zu ungewöhnlichen Haltungen von Kopf, Hals, Rumpf, Armen und Beinen führt. Man unterscheidet die generalisierte Dystonie (Dystonia musculorum deformans), die große Teile des Körpers betrifft und üblicherweise in der Kindheit beginnt, von der segmentalen und fokalen Dystonie, die sich üblicherweise im Erwachsenenalter entwickelt und nur bestimmte Körperteile betrifft (üblicherweise Kopf und Hals).

    Fokale Dystonien werden aber auch als Symptome im Rahmen der Parkinson Krankheit beobachtet.
     

 

 

 

Was geschieht bei der Parkinson-Krankheit im Gehirn?

 

 

Für die Entstehung der Symptome der Parkinson-Krankheit sind die Nervenzellen der Substantia nigra (schwarze Substanz) von besonderer Bedeutung.

Die Substantia nigra liegt in den Basalganglien des Gehirns. Die Basalganglien sind eine Gruppe von Nervenzell-Ansammlungen im Gehirn. Ihre Aufgabe liegt vor allem in der Steuerung von Bewegungen.

Die Nervenzellen der Substantia nigra produzieren den Botenstoff Dopamin. Sie senden Fortsätze in das sogenannte Striatum. Dopamin wird aus den Enden der Fortsätze im Striatum freigesetzt. Dort überträgt er Informationen der Nervenzellen der Substantia nigra auf die des Striatums.

Bei der Parkinson-Krankheit erfolgt ein langsamer Untergang der Nervenzellen in der Substantia nigra.

Nachdem etwa 50-60% dieser Dopamin-produzierenden Zellen zugrunde gegangen sind, machen sich die ersten Krankheitszeichen bemerkbar.
 

 

 

 

Was ist die Ursache der Parkinson-Krankheit?

 

 

Trotz gewisser Hinweise ist die genaue Ursache bei der überwiegenden Zahl der Patienten bislang noch nicht geklärt. Es gibt viele Hinweise, die nahelegen, dass es mehrere ursächliche Faktoren gibt, die in der Entstehung der Parkinson Krankheit zusammenspielen.

Viele Patienten versuchen, den Beginn ihrer Parkinson Symptome auf einen Unfall, einen chirurgischen Eingriff oder ein traumatisches Ereignis zu beziehen. Ein ursächlicher Zusammenhang kann aber in solchen Fällen kaum nachgewiesen werden. Möglicherweise können diese Ereignisse Symptome provozieren, die sich auch unabhängig davon entwickelt hätten. Dies darf aber nicht mit einer Verursachung der Parkinson Krankheit verwechselt werden.

Es gibt keinen bedeutenden Hinweis, der nahelegt, dass die Parkinson Krankheit von einem Virus oder einem anderen infektiösen Organismus verursacht wird. Die Krankheit ist nach dem derzeitigen Erkenntnisstand nicht übertragbar.

In sehr wenigen Fällen ist die Parkinson Krankheit erblich. Meist wird die Krankheit aber nicht von den Eltern geerbt und wird auch nicht an die Kinder weitergegeben. Allerdings nimmt man an, dass das Zusammenspiel mehrerer Erbanlagen manche Menschen anfälliger macht, an der Parkinson Krankheit zu erkranken.

Derzeit wird vermutet, dass Giftstoffe, die möglicherweise im Körper selbst entstehen, die Zellen der Substantia nigra schädigen. Eventuell trägt eine erbliche Störung im Abbau dieser Giftstoffe auch zur Entstehung der Krankheit bei. Unter dem Schlagwort "Hypothese vom oxidativen Stress" wird eine schädigende Wirkung von aggressiven Sauerstoffverbindungen (Oxyradikale) diskutiert, die im körpereigenen Stoffwechsel entstehen.
 

 

 

 

Was sind die typischen Zeichen der Parkinson-Krankheit?

 

 

Eine Reihe unspezifischer Symptome kann den typischen Symptomen der Parkinson Krankheit bereits um mehrere Jahre vorausgehen.

Frühe unspezifische Symptome

  • Persönlichkeitsveränderungen (gesellschaftlicher Rückzug, Perfektionismus und zwanghaftes Verhalten) sowie depressive Verstimmung können den motorischen Symptomen in einigen Fällen bereits Monate oder Jahre vorausgehen.
  • Mißempfindungen oder Schmerzen im Nacken, Rücken oder in einem Arm oder Bein können als erste Symptome auftreten und Muskel- und Gelenkerkrankungen simulieren.
  • Ermüdbarkeit oder Ungeschicklichkeit können als frühe motorische Veränderungen auftreten.
  • Die Konstellation aus Schmerzbeschwerden, allgemeiner Verlangsamung und Vitalitätsverlust wird häufig fälschlicherweise dem allgemeinen Älterwerden zugeschrieben.
  • Die klassischen Symptome der Parkinson Krankheit beeinträchtigen v.a. die Beweglichkeit der Patienten (motorische Symptome).

Motorische Symptome

Charakteristischerweise beginnt die motorische Symptomatik einseitig und breitet   sich langsam auf die Gegenseite aus.

Das Vollbild der motorischen Symptomatik ist gekennzeichnet durch die          Kardinalsymptome Akinese, Rigor und Ruhetremor.

Manche Autoren bezeichnen Gang- und Haltungsabnormalitäten als viertes       Kardinalsymptom der Parkinson Krankheit.

Akinese (griechisch: Bewegungslosigkeit).
Rigor (lateinisch: Starre)
Tremor (lateinisch: Zittern)
Gang- und Haltungsabnormalitäten

Das Vollbild der Erkrankung wird häufig von nicht-motorischen Symptomen        begleitet.

Nicht-Motorische Symptome

Eine meist gering ausgeprägte Depression kompliziert den Verlauf der Parkinson    Krankheit in 40% der Fälle.

In wenigen Fällen wird ein deutlicher geistiger Abbau beobachtet.

Im fortgeschrittenen Stadium entwickeln sich häufig sogenannte vegetative      Symptome durch eine Schädigung des autonomen Nervensystems (Verstopfung,   häufiger Harndrang, niedriger Blutdruck im Stehen, Erektionsschwäche bei        Männern).

Eine Reihe von Symptomen sind für die Parkinson Krankheit atypisch. Sie lassen    den erfahrenen Arzt eher an andere Erkrankungen denken.

Atypische Symptome

Zur Abgrenzung von anderen Erkrankungen, die einer Parkinson Krankheit ähneln können, sollte auf das Vorliegen bestimmter Hinweise geachtet werden, die bei der Parkinson Krankheit als atypisch gelten. Eine Auswahl ist im folgenden aufgeführt.

Atypischer Verlauf

  • Symmetrischer Beginn
  • Rasches Fortschreiten
  • Schrittweise Verschlechterung

Frühzeitige und starke

  • vegetative Störungen
  • geistige Beeinträchtigung
  • Gang- und Standunsicherheit mit Stürzen

Fehlende Besserung unter L-Dopa

Atypische Symptome

  • Atypisches Zittern
  • Zeichen für Kleinhirnbefall
  • Zeichen für Störung des Hirnstamms
  • Lähmung des Blicks nach unten
  • Sog. Pyramidenbahnzeichen (z.B. Spastik)
  • "Nutzloser", wandernder Arm (alien limb)
  • Sog. Okulogyrische Krisen
  • Kayser-Fleischer Kornealring
     

 

 

 

Wie ist der typische Verlauf der Parkinson-Krankheit?

 

 

Mißempfindungen in den Gliedern oder im Nacken, Müdigkeit und Depression können erste Symptome der Parkinson Krankheit sein. Die Krankheit beginnt häufig schleichend mit dem Zittern der Hand einer Körperseite. Später kommen Steifheit, Langsamkeit und Ungeschicklichkeit der betroffenen Seite hinzu. Tätigkeiten, die feine Bewegungen der Finger erfordern werden schwieriger (Zähne putzen, Knöpfe schließen). Manche Patienten ziehen einen Fuß oder ein Bein nach.

Im Laufe der Zeit treten auch Symptome auf der anderen Körperseite hinzu. Diese bleiben aber meist schwächer ausgeprägt. Nach und nach fällt das Gehen schwerer und die Schritte werden kleiner. Die Sprache wird leise und heiser.

Später entwickeln manche Patienten auch Gang- und "Gleichgewichts"-Störungen. Typisch sind Schwierigkeiten beim Passieren von Engstellen wie Türen und beim Wenden oder wenn andere komplizierte Bewegungen ausgeführt werden. Stürze mit Verletzungsfolgen können auftreten.

Es soll betont werden, dass der beschriebene Krankheitsverlauf nur eine typische Verlaufsform der Erkrankung wiedergibt. Verlauf und Schweregrad der Erkrankung variieren stark von Patient zu Patient und bei kaum einem Patienten werden alle oben beschriebenen Symptome beobachtet.
 

 

 

 

Wie wird die Parkinson-Krankheit diagnostiziert?

 

 

Derzeit kann die Diagnose der Parkinson Krankheit vor allem aufgrund der sorgfältigen Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt, in der Regel durch einen Neurologen gestellt werden. In frühen Krankheitsphasen gibt es ein breites Spektrum an Krankheiten, die nur schwer von der Parkinson Krankheit abgegrenzt werden können. Die Verbesserung der Symptomatik durch Medikamente hilft, die Diagnose zu unterstützen.

In Zweifelsfällen und zur Abgrenzung anderer Erkrankungen können apparative Untersuchungen hilfreich sein.

L-Dopa Test

Die Mehrzahl der Patienten mit der Parkinson Krankheit erfahren im Frühstadium der Erkrankung eine signifikante Besserung ihrer Symptome nach einem Monat Therapie mit etwa 300mg L-Dopa pro Tag.

Die verbleibenden Patienten verbessern sich im Laufe eines weiteren Monats mit einer Dosis von 600 – 750mg und nur sehr wenige benötigen eine Dosis von 1200 - 1500mg pro Tag.

Eine fehlende Verbesserung spricht nahezu immer gegen das Vorliegen einer Parkinson Krankheit.

Bildgebung

Computertomographische (CT) oder kernspintomographische (MRT) Untersuchungen sind im Rahmen der Diagnostik der Parkinson Krankheit nicht nötig, wenn sich das typische klinische Bild und eine gute Verbesserung unter L-Dopa zeigt. Oft werden diese Untersuchungen gemacht, um andere Ursachen auszuschließen.

Durch eine B/PP-CIT-SPECT Untersuchung läßt sich das Ausmaß des Zellverlustes in der Substantia Nigra beurteilen. Die Untersuchung wird voraussichtlich ab 2001 für Spezialisten an ausgewählten Zentren zugänglich sein. Sie ist hilfreich zur Diagnosestellung in frühen und klinisch uncharakteristischen Krankheitsstadien sowie zur Dokumentation des Fortschreitens der Krankheit. Eine Abgrenzung zwischen den verschiedenen Parkinson Syndromen ist allerdings nur mit Einschränkungen möglich.

Hierfür kann die IBZM-SPECT Untersuchung wichtige Hinweise geben.

PET-Untersuchungen sind derzeit hauptsächlich für wissenschaftliche Fragestellungen reserviert.

Autonome Funktionstests

Bei Vorliegen ausgeprägter vegetativer Symptome sind autonome Funktionstests ratsam.

Der Schellong-Test überprüft die Reaktion von Blutdruck und Herzfrequenz beim Wechsel vom Liegen zum Stehen.

Ein Schließmuskel EMG des Darmausgangs kann Schädigungen des peripheren autonomen Nervensystems nachweisen.

Untersuchung zur Wilson Krankheit

Bei Beginn der Symptome vor dem 50. Lebensjahr sollte eine Wilson‘schen Krankheit, eine erbliche Störung im Kupferhaushalt immer ausgeschlossen werden. Dies kann durch die Bestimmung der Kupferkonzentration in Blut und Urin und durch die Untersuchung der Augen (Spaltlampenuntersuchung) erfolgen.

Da es keinen Labortest und kein Bildgebungsverfahren gibt, um die klinische Diagnose Parkinson Krankheit zu sichern, wird empfohlen, dass die Patienten die Diagnose von einem Neurologen mit Erfahrung auf dem Gebiet der Bewegungsstörungen sichern lassen. Die endgültige Sicherung der Diagnose ist derzeit nur durch Untersuchung des Gehirns nach dem Tod möglich.

 

 

 

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