KNP_Logo_Homepage Frühdiagnostik

 

Früh- und Differentialdiagnostik

 

Leitung: Prof. Dr. Dr. Wolfgang H. Oertel

Neurologische Klinik
der Philipps-Universität Marburg

Hintergrund:
Die systematische Erfassung und frühe differentialdiagnostische Einordnung von Parkinson Syndromen in der Praxis erfordert eine enge Kooperation von Hausärzten, Neurologen und Universitätskliniken. Eine Früherkennung der Erkrankung ist wichtig für die Anwendung neuroprotektiver Therapiestrategien. Erstrebenswert ist die Erkennung von Patienten mit subtilen Krankheitszeichen bereits auf der Ebene der Hausärzte. Zu diesem Ziel wurde im Rahmen des Teilprojektes 4 ein einfaches Screening-Verfahren entwickelt, das erlaubt, Patienten mit dem Verdacht auf das Vorliegen eines Parkinson Syndroms bereits in der Allgemeinarztpraxis ohne großen Aufwand zu erkennen. Hierzu wurde ein zweistufiger Fragebogen evaluiert, der vom Patienten selbst im Wartezimmer ausgefüllt werden kann. Dieser Fragebogen wurde im Jahr 2000 im Rahmen einer Feldstudie in Praxen des Hausarztpraxennetzes der Allgemeinmedizin/ Universität Marburg angewandt.

Ziele:
Das erste Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines einfachen und flächendeckend anzuwendenden Screening-Verfahrens zur Diagnose und Differentialdiagnose eines Parkinson Syndroms. Hierzu wurde ein zweistufiger Fragebogen entwickelt und optimiert, der in Allgemeinarztpraxen und anderen Institutionen angewendet werden kann. Der erste Teil dieses Fragebogens ermöglicht die Früherkennung eines Parkinson Syndroms, der zweite Teil erlaubt eine erste differentialdiagnostische Einordnung. Das Screening-Verfahren kann in den Praxen effektiv und mit geringem Zeitaufwand für das Praxispersonal durchgeführt werden. Im nächsten Schritt sollen flächendeckend Praxen im Bereich der Vertikalen Netze "Mitte" (Koordinationszentrum Marburg) und "Nord" (Koordinationszentrum Kiel) eingegliedert werden. Das zweite Ziel dieses Projektes ist, eine möglichst hohe Zahl von Patienten mit Parkinson Syndromen unterschiedlicher Ätiologie im Frühstadium der Erkrankung zu erfassen, diese differentialdiagnostisch einzuordnen und weiterführenden Untersuchungen beispielsweise in anderen Projekten des horizontalen Netzes durchzuführen.

Aktuelle Ergebnisse:
Da Patienten in den frühen Stadien einer Parkinson-Erkrankung in der Allgemeinarzt-Praxis häufig unentdeckt bleiben, wurden verschiedene Screening-Modalitäten validiert. Aus den Ergebnissen wurde ein Screening-Verfahren entwickelt, um die Erkennung undiagnostizierter Patienten zu fördern. An einer ersten Erhebung nahmen neun Hausarztpraxen aus einer ländlichen Region in Mittelhessen teil. Die Hausärzte identifizierten Patienten, die vermutlich eine Parkinson-Erkrankung aufweisen, über einen Fragebogen:

Zusammen mit einer anschließenden standardisierten klinischen Untersuchung ergab sich dann eine klinische Einschätzung, ob die Patienten ein bekanntes oder kein Parkinson-Syndrom aufweisen bzw. sie nur möglicherweise erkrankt sind (paralleles Screening). Die Parkinson-Erkrankung wurde durch zwei Neurologen bestätigt (1-Jahres-Follow-up, FP-CIT-SPECT).

Von 1411 Patienten, die den Hausarzt konsultierten, nahmen 1030 an der Studie teil, 87 mögliche Fälle wurden entdeckt. Identifiziert wurden 12 Parkinson-Erkrankungen, davon 4 De-novo-Fälle. Die statistische Analyse zeigte eine hohe Sensitivität des Fragebogens und eine hohe Spezifität der klinischen Einschätzung durch den Hausarzt.

Basierend auf diesen Ergebnissen wurde in einer zweiten Erhebung als Screening-Instrument ein gestuftes Vorgehen über den Patientenfragebogen, die hausärztliche Untersuchung und den klinischen Eindruck eingesetzt. Aus 1353 Teilnehmern konnten in diesem zweiten Teil der Untersuchung fünf De-novo-Patienten ermittelt werden. Das Screening-Instrument mit gestuftem Vorgehen erwies sich im Feldtest als praktikabel. Es ermöglicht in erheblichem Maße die Frühdiagnose eines Morbus Parkinson in einer ländlichen Region.

Das KNP will in Zusammenarbeit mit dem Kompetenznetz Demenzen einen ähnlichen Fragebogen für die Diagnose einer Demenz mit Lewy-Bodies bei Parkinson-Patienten entwickeln. Außerdem beschäftigt sich das KNP mit REM-Schlaf-Verhaltensstörungen (RBD) als Indikatoren für alpha-Synucleinopathien.
 

 

Ausführende Stelle:
 

Klinik für Neurologie
Philipps-Universität Marburg
Baldingerstraße
35043 Marburg
 

 

Projektleiter:

Prof. Dr. Dr. W. H. Oertel
Klinik für Neurologie
Philipps-Universität Marburg
 

 

Stellvertreter:
 

Prof. Dr. G. Deuschl
Klinik für Neurologie
Christian-Albrecht-Universität Kiel
 

 

Kooperationspartner:
 

Prof. Dr. E. Baum
Abteilung für Allgemeinmedizin
Philipps-Universität Marburg
 

 

Ärztinnen im Praktikum:
 

I. Rissling
Klinik für Neurologie
Philipps-Universität Marburg

A. Metz
Klinik für Neurologie
Philipps-Universität Marburg
 

 

Biometrische Planung:
 

Prof. Dr. Schäfer, Dr. Prinz
Institut für Medizinische Biometrie
Philipps-Universität Marburg
 

 

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