KNP_Logo_Homepage Hirnstimulation

 

Tiefenhirn-Stimulation

 

Die tiefe Hirnstimulation ist ein neues und sehr wirksames Verfahren zur Behandlung von Patienten mit Bewegungsstörungen. Der erfolgreiche Einsatz dieser Methode erfordert die engste Zusammenarbeit von Neurologen, spezialisiert auf das Gebiet der Bewegungsstörungen, und Neurochirurgen, spezialisiert auf die Durchführung funktionell-neurochirurgischer Verfahren.
Dieses Projekt hat drei Hauptziele:
Erstens geht es um den Aufbau einer Studiengruppe, um Multizenterstudien zur Behandlung von Bewegungsstörungen, insbesondere des Morbus Parkinson, durchzuführen. Zweitens sollen durch die Arbeit der Gruppe nationale Standards für die Durchführung dieser Behandlung entwickelt und etabliert werden. Drittens soll die Forschung zu dieser neuen Behandlungsmethode koordiniert werden.
Die Arbeitsgruppe hat soeben die erste große Multizenterstudie zum Vergleich der Lebensqualität bei bilateraler Nucleus-subthalamus-Stimulation (STN-DBS) versus “best medical treatment” abgeschlossen.

Die Ergebnisse dieser weltweit einzigartigen Studie wurden zum Auftakt des 16. Parkinson-Weltkongresses im Juni 2005 in Berlin vorgestellt. In dieser Studie wurde erstmals die tiefe Hirnstimulation mit der medikamentösen Therapie verglichen und deren Einfluß auf die Lebensqualität beurteilt. Insgesamt 156 Patienten mit langjähriger und schwerer Parkinsonerkrankung und ausgeprägter Symptomatik nahmen an der Studie teil. Die Lebensqualität der operierten Patienten verbesserte sich im Vergleich zu den medikamentös behandelten Patienten durchschnittlich um 20 %, die motorischen Fähigkeiten sogar um mehr als 40 %. Bei dieser recht jungen Methode werden unter örtlicher Betäubung Elektroden in den Hirnbereich implantiert, der für das typische Zittern mitverantwortlich ist. Ein Schrittmacher unter dem Schlüsselbein verursacht durch schwache Stromstöße eine permanente elektrische Reizung, der die überaktiven Nervenzellen lahmlegt und so die motorischen Störungen z.T. dramatisch verbessert.

Neurochirurgische Behandlungsmöglichkeiten stellen eine effektive Ergänzung oder Alternative zu bestehenden Therapien dar, wenn mit fortschreitender Dauer der Parkinson-Krankheit die Wirkung der Medikamente nachlässt. Von besonderem Interesse ist die so genannte Tiefenhirnstimulation. In einer weltweit einmaligen Studie des Kompetenznetz Parkinson, deren Ergebnisse beim Parkinson-Weltkongress in Berlin erstmals vorgestellt wurden, konnte ein großer Gewinn für die Lebensqualität der Patienten ermittelt werden.

Mit dieser neuen, seit einigen Jahren an wenigen Universitätskliniken angewandten Methode werden langjährig erkrankte und schwer betroffene Patienten behandelt, bei denen Medikamente nur unzuverlässig wirken, erläuterte Studienleiter Prof. Günther Deuschl von der Neurologischen Universitätsklinik Kiel. “Im Vergleich zu den medikamentös behandelten Patienten konnte bei den operierten Patienten eine Verbesserung der Lebensqualität von durchschnittlich über 20 Prozent erreicht werden. Die motorischen Fähigkeiten besserten sich um über 40 Prozent im Schnitt. Mit solchen Ergebnissen kann die medikamentöse Therapie bei so schwer erkrankten Patienten nicht mehr aufwarten.”

Die genauen Ursachen für den permanenten Zellverlust sind bei der Parkinson-Krankheit noch unbekannt, doch ist offenbar ein winziger Kern in tiefen Hirnregionen, der Nucleus subthalamicus, für das typische Zittern, die Unbeweglichkeit und die Fallneigung mitverantwortlich. Bei der Tiefenhirnstimulation werden Elektroden über ein winziges Loch in der Schädeldecke in die Substantia nigra implantiert. Die hauchdünnen Kabel werden an einen Impulsgenerator angeschlossen, der wie ein Herzschrittmacher unter dem Schlüsselbein eingesetzt wird. MIt regelmäßigen schwachen Stromstößen verursacht er eine permanente elektrische Reizung und legt damit die beteiligten überaktiven Nervenzellen in der tiefen Hirnregion lahm. Prof. Deuschl: “Auf diese Weise lassen sich die typischen Bewegungstörungen Zittern, Muskelsteifheit, Verlangsamung aller Bewegungsabläufe und die Überbewegung günstig beeinflussen - und zum Teil sogar dramatisch verbessern.” Einige der bisher behandelten Patienten erlangten nach dem Eingriff beinahe vollständige Kontrolle über alle Körperfunktionen zurück.

Mit einem Magneten können Patienten den Schrittmacher selbständig ein- und abschalten. Mit Hilfe eines Senders und spezieller Computer-Software kann der Arzt die Einstellung des Schrittmachers verändern und der Symptomstärke des Patienten anpassen. Nur in seltenen Fällen kommt es bei der elektrischen Tiefenhirnstimulation zu Nebenwirkungen wie Sprach- und Sehstörungen. Auch diese lassen sich meist mit einer bloßen Veränderung der Stimulationsparameter beseitigen. Der Eingriff selbst ist nicht risikolos, aber im Vergleich zu anderen Hirnoperationen risikoarm. Der Patient ist nur örtlich betäubt, so dass neurologische Nebenwirkungen rasch erkannt und notwendige Gegenmaßnahmen sofort eingeleitet werden können.

Die neue Methode wurde Mitte der 90er Jahre erstmals angewandt. Seitdem gilt das Verfahren zwar als sehr effektiv. Doch die tatsächliche Bedeutung des Eingriffs für die Lebensqualität der Patienten war unbekannt. Auch wurde das Behandlungsverfahren niemals mit herkömmlichen medikamentösen Therapien verglichen. Dies alles wurde jetzt mit der neuen Studie nachgeholt; durchgeführt und entwickelt vom Kompetenznetz Parkinson und dem Koordinierungszentrum für klinische Studien Marburg (KKS). Finanziell unterstützt wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. 156 Patienten, allesamt mit stark ausgeprägten Symptomen, wurden entweder sofort operiert oder sechs Monate ausschließlich mit Medikamenten behandelt. Im Schnitt besserte sich die Lebensqualität der operierten Patienten um über 20 Prozent. Noch wesentlich ausgeprägter waren die Verbesserungen in Bezug auf die Mobilität, Alltagsaktivität oder emotionale Ausgeglichenheit. Auch die mit Parkinson oft einhergehende Stigmatisierung nahm nach der Operation deutlich ab. “Die Verbesserung betrifft alle Lebensbereiche”, fasst Prof. Deuschl zusammen. “Es gibt keine vergleichbare gut wirksame medikamentöse Therapie für diese Patientengruppe. Die Behandlung kann heute als wissenschaftlich etabliert gelten.”

In einer zweiten Multizenterstudie untersucht die Arbeitsgruppe den Effekt der Pallidum-Stimulaton bei Patienten mit generalisierter Dystonie. Auch diese Studie ist fast abgeschlossen. Studien zu den Behandlungskosten werden zusammen mit dem Teilprojekt Ökonomie des KNP durchgeführt.

Zudem ist die Arbeitsgruppe an der Formulierung der deutschen Leitlinien zur Parkinson-Therapie beteiligt und erarbeitet derzeit detaillierte Standards für die tiefe Hirnstimulation. Jährliche Anwendertreffen finden mit Hilfe der Industrie statt.

Die experimentelle und patientengebundene Grundlagenforschung findet dezentral statt und wird teilweise auch durch andere Forschungsförderung (BMBF, DFG etc.) finanziert. Unter den zahlreichen Ergebnissen sei hier nur die Entwicklung eines Tiermodells für die Stimulatoin genannt und der Nachweis, dass die tiefe Hirnstimulation auch vegetative Funktionen beeinflusst, zum Beispiel die Blasenfunktion.

Leitung: Prof. Dr. Günter Deuschl

Neurozentrum Kiel
der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Das Projekt zur Tiefenhirn-Stimulation erforscht die Wirkung der bilateralen Nucleus subthalamicus-Stimulation auf die Lebensqualität bei Parkinsonpatienten mit motorischen Komplikationen im Vergleich zur medikamentösen Therapie.

Rolle der Institution im Teilprojekt

Hintergrund: Die medikamentöse Therapie des M. Parkinson kann zu schwer behindernden motorischen Langzeitkomplikationen in Form von Wirkungsschwankungen (On-Off-Fluktuationen) und/oder Levodopa induzierten Dyskinesien führen. Diese motorischen Langzeitkomplikationen können zuverlässig und sehr wirksam mit Hilfe der Tiefenhirnstimulation gebessert werden. Es gibt bisher allerdings keine vergleichenden Studien der Tiefenhirnstimulation gegenüber der konventionellen medikamentösen Therapie, d.h. die Frage der Überlegenheit der operativen gegenüber der medikamentösen Therapie ist offen. Vergleichende Studien sind für die Patientenversorgung relevant, da es bislang nicht klar ist, welche Patienten von der Operation profitieren werden und ab wann bzw. ab welchem Behinderungsgrad Patienten operiert werden sollten. Bisher fehlen die erforderlichen Daten, um solche Therapieempfehlungen zu formulieren.

Beschreibung des Projektes:

Im Rahmen einer kontrollierten Langzeitstudie zur Wirkung der beidseitigen Nucleus subthalamicus-Stimulation bei Morbus Parkinson soll die Wirksamkeit der Tiefenhirnstimulation (Nucleus subthalamicus-Stimulation) mit der konventionellen medikamentösen Therapie verglichen werden. Hierfür werden die Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt, eine Gruppe wird zum üblichen Zeitpunkt im Rahmen der normalen Warteliste, d.h. nach ca. 6 Monaten operiert und in der Zwischenzeit weiterhin medikamentös therapiert, während Patienten der zweiten Gruppe vorgezogen und innerhalb von 4-6 Wochen operiert werden. Während der Studie werden zu verschiedenen Untersuchungszeitpunkten klinische Untersuchungen durchgeführt sowie Fragebögen ausgefüllt, welche insbesondere zur Einschätzung der Lebensqualität dienen.
Weitere Studienzentren, die an der Arbeitsgemeinschaft Tiefenhirnstimulation des Kompetenznetzwerkes Parkinson teilnehmen, sind: Aachen, Berlin (Charité), Bonn, Dresden, Freiburg, Hannover, Hamburg, Köln/Düsseldorf, Marburg, München/Heidelberg, Tübingen, Rostock/Greifswald und Homburg-Saar. Weiterhin nehmen außerhalb des Kompetenznetzwerkes Parkinson noch Berlin (Benjamin-Franklin), Heidelberg, Innsbruck und Köln teil.
Ergänzend werden Grundlagenstudien zur Untersuchung der genauen Mechanismen der Tiefenhirnstimulation durchgeführt, u.a. ein MPTP-Katzenmodell an dem Institut für Physiologie, Kiel (Prof. Illert), biochemische Grundlagenforschung an dem Institut für Biochemie, Würzburg (Prof. Gerlach), sowie weitere Studien in den Zentren Marburg und Berlin.

Ziele:
Ziel der Studie ist es, die Wirksamkeit und Nebenwirkungen der Nucleus subthalamicus-Stimulation beim Morbus Parkinson im Vergleich zur medikamentösen Behandlung zu untersuchen. Als Beurteilungsmaß wird hierbei insbesondere die Lebensqualität herangezogen.

Beschreibung der Institution

Das Neurozentrum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel leitet im Rahmen des Kompetenznetzwerkes Parkinson das Projekt zur Tiefenhirn-Stimulation. Der operative Eingriff erfolgt in Zusammenarbeit mit Prof. Mehdorn (Klinik für Neurochirurgie der Christian-Albrechts-Universität, Kiel) sowie mit Prof. Müller (Abteilung für Sterotaxie der Klinik für Neurochirurgie der Universitätsklink Eppendorf, Hamburg).
Wissenschaftliche Schwerpunkte des Neurozentrums sind Bewegungsstörungen (Morbus Parkinson, Dystonie, Tremor), Schmerz, Erkrankungen des autonomen Nervensystemes und zerebrale Gefäßerkrankungen. 1996 wurde das Motoriklabor aufgebaut, in dem zu den Bewegungsstörungen u.a. folgende Untersuchungen durchgeführt werden: Tremormessungen sowie Gang- und Greifanalysen. Die Klinik umfaßt insgesamt 60 Betten und versorgt ca. 1800 stationäre Patienten pro Jahr.

Studienkoordination:

Prof. Dr. G. Deuschl / PD Dr. J. Volkmann
Neurologische Klinik, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Niemannsweg 147, 24105 Kiel
Email: g.deuschl@neurologie.uni-kiel.de
j.volkmann@neurologie.uni-kiel.de
 

Wissenschaftliche Angestellte:

Dr. D. Lorenz / Dr. S. Klebe
Neurologische Klinik, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Niemannsweg 147, 24105 Kiel
E-Mail: d.lorenz@neurologie.uni-kiel.de
s.klebe@neurologie.uni-kiel.de
 

Biometrische Betreuung:

Frau Dipl.-Psych. Justine Rochon
Koordinationszentrum für klinische Studien Marburg
Robert-Koch-Str. 7, 35039 Marburg
E-Mail: rochon@med.uni-marburg.de
 

Weitere Informationen:

www.uni-kiel.de/neurologie/

 

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